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Eressea.GeschichteLyria)
Die Entstehung der Weißen Hand von Lyria.
Letzte Woche des Monats Feldsegen des Jahres 7 (348, Sommer):
Vor langer Zeit verließ der erste Komponist sein heimatliches Dorf mit der Idee, etwas Großes zu schaffen, ein großes Werk, das seinesgleichen in der Welt nicht finden sollte. Eine große Oper, ein episches Werk, ein großer Roman – er wusste es noch nicht.
Aber er fand bald Mitstreiter und Sympathisanten, die wie er von der Muse beseelt nach Höherem in Eressea strebten. Zusammen bauten sie in dem Landstrich, den sie „Auftakt“ nannten, eine neue Gemeinschaft auf.
Schon bald machte er auf seinen Reisen durch die Lande die ersten Kontakte zu anderen Völkern auf der Insel. Im Osten überquerten reisefreudige Orks die hohen Pässe der Gletscher dort und fanden sich in Auftakt ein. Sie nannten sich „Vielfraße“ und erzählten von einer reichen Ebene jenseits der Gletscher – dem Vielfraßland.
Im Nordosten trafen die Komponisten schnell auf ein Trollvolk in den Bergen des Hohen Zehs und auf ein Elfenvolk in Tirzo. Als die Trolle verschwanden und das Volk der Komponisten wuchs, begegneten uns nach und nach auch die weiteren Völker Lyrias: Die Enkara, Menschen wie die Komponisten, die Andras, Meermenschen und Skirnirs Clan, Goblins. Zusammen gründeten diese sechs Völker schließlich in friedlichem Einvernehmen die „Weiße Hand von Lyria“. Die Komponisten freuten sich besonders, dass sich ihr musisches Streben schließlich auch im Namen der Insel wiederfand.
Die Zusammenarbeit war rege, erste Gebäude und Schiffe wurden gebaut und gemeinschaftlich verwaltet.
Die erste Krise – Drachen auf Lyria
Angelockt von den Reichtümern der aus reichen Ebenen bestehenden Insel Lyria fanden drei Jungdrachen den Weg zu uns. Sie ließen sich im Vielfraßland nieder und beraubten die Bauern ihrer Goldvorräte. Gierig töteten sie jeden, der ihnen in den Weg kam, und verschonten auch die Völker Lyrias dort nicht. Gleich in der ersten Woche machten sie alle Vertreter unserer Völker dort nieder, inklusive aller Botschafter, die wir in diese freundliche Region eingeladen hatten.
Schon wegen dieses Gesichtsverlusts schworen die Völker Lyrias Rache. Besonders die Orks waren außer sich, dass die Drachen ihr geliebtes Heimatland verwüsteten. Die Weiße Hand von Lyria rief zu den Fahnen, und es waren viele, die ihr folgten. Einige Zeit später schließlich zog das Heer nach Süden, um den Drachen zu begegnen. Viele Orks waren dabei und viele Komponisten, die ihren Brüder halfen. Aber auch die anderen Völker Lyrias sandten ihre besten Kämpfer und Magier. Ja, es kamen sogar Soldaten von befreundeten Völkern anderer Inseln wie den Nox und den Taragonhalblingen zu uns, um die Drachen zu besiegen. Der Kampf war kurz und heftig. Der massiven Streitmacht hatten die Drachen nichts entgegenzusetzen. Bauern zu vertreiben und zu berauben war einfach, doch beim Anblick bewaffneter Soldaten verließ sie der Mut.
Die Weiße Hand errang einen glorreichen Sieg, von dem die Komponisten noch ihren Enkeln und Urenkeln in langen Balladen singen werden. Die Vielfraße zogen wieder in ihr Land ein, und die Komponisten nahmen die alten Handelswege wieder auf. Heutzutage blüht das Vielfraßland wieder wie in alten Tagen, und keine Brandnarbe erinnert mehr an die Schrecken der Drachen von damals.
Die zweite Krise – Vielfraße auf Kor
Die erste außenpolitische Krise wurde durch die hitzigen Vielfraße ausgelöst und endete schließlich in einem Untergang der Vielfraße als solche.
Unsere Erkunder hatten im Süden die rohstoffreiche Insel Kor entdeckt und versuchten, diese zu besiedeln und für uns zu gewinnen. Jedoch war dort die Schwarze Hand von Sartosa schon früher gelandet und vertrieb uns zuerst freundlich, dann mit direkteren Drohungen, von der Insel. Besonders die Vielfraße wollten nicht weichen und ließen sich schließlich in einem unglücklichen Moment dazu hinreißen, die unbewaffneten Mitglieder der Völker der Schwarzen Hand kurzerhand anzugreifen und zu töten.
Dabei blieb es nicht, denn obendrein sandte er ihren Herrschern dazu noch die Nachricht, wie schwach sie doch seien und dass sie mit jedem anderen Mitglied ihres Volkes dasselbe tun würden.
Verständlicherweise war die Schwarze Hand mehr als erbost und drohte mit Krieg. Mindestens ebenso waren Andras und Komponisten, als sie von diesen Aktionen der Vielfraße auf Kor erfuhren. Es war uns klar, dass sich ein Krieg der Schwarzen Hand nicht auf die Vielfraße beschränken würde, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit auf alle Völker Lyrias übertragen werden würde.
In großer Eile schickten sie beide beschwichtigende Botschaften nach Sartosa, in der Hoffnung, die Katastrophe noch einmal abwenden zu können. Die Schwarze Hand grollte – aber sie unternahm zunächst nichts.
Gleichzeitig drängten wir die Vielfraße zu einer Entschuldigung. Deren Anführer Streick wollte das aber gar nicht einsehen, Unruhen und Stammeskämpfe entbrannten unter den Orks, die schließlich in der Herauskristallisierung einer neuen Führung mündeten. Von nun an war ein junger Ork namens Lyras Anführer der Orks, die sich von nun an „Sonnenorks“ nennen. Als erste Amtshandlung entschuldigte er sich bei der Schwarzen Hand und versprach, sich sofort von Kor zurückzuziehen und die Mörder zur Rechenschaft zu ziehen. Seitdem scheinen die hitzigen Orks ihr Temperament etwas gezügelt zu haben, obwohl sie immer noch heiß auf Kämpfe sind und jede Schlacht annehmen, die ihnen angeboten wird.
Die dritte Krise – Bruderkrieg auf Lyria
Diese Krise bahnte sich langsam, aber sicher, an. Eines Tages berichteten die Enkara über einen Krieg auf unserer Nachbarinsel Malkieri. Die dort lebenden Völker, die bereits genannten Taragonhalblinge und die Bergwächter (ein Trollvolk), baten durch die Enkara um Hilfe aus Lyria. Bevor die jedoch effektiv anrollen konnte, waren die Völker schon geschlagen und wurden aus Malkieri vertrieben. Schließlich nahmen wir sie auf Lyria auf und gaben ihnen ein wenig Platz zum Siedeln. Wir nahmen sie sogar in unseren Bund auf. Allerdings geschah dies vor allem auf Druck der Enkara hin, die auf der Freundschaft zu diesen Völkern und ihren Regenten bestanden wider allen Nutzen für Lyria.
Die Elfen hatten inzwischen ihren Abschied schon kundgetan.
Wir gaben uns trotzdem Mühe, die neuen Völker gut zu integrieren und eine stärkere Gemeinschaft zu gründen. Im Verlauf der Zeit mussten jedoch wir Sonnenorks, Andras und Komponisten feststellen, dass die neuen Bewohner Lyrias nicht recht integrieren wollten. Viele Absprachen liefen scheinbar an uns vorbei und wurden direkt mit den Enkara und den Goblins getroffen. Fleißig rekrutierten sie neue Volksmitglieder, doch wenig sprachen sie mit uns darüber. Wenig teilten sie uns überhaupt mit, wer sie denn seien, was sie wollten und wie sie leben wollten. Lyria litt unter Überfremdung, die durch das starke Anwachsen der Völker beunruhigende Ausmaße annahm. Nach Wochen und Monaten der Nicht-Kommunikation setzten sich schließlich die Vertreter der Andras, der Sonnenorks und der Komponisten zusammen, um über die gemeinsame Zukunft zu beraten. Die Diskussion ging hin und her, von weitermachen wie bisher bis zum offenen Krieg wurde alles diskutiert und besprochen. Man wollte nicht grausam sein, nicht gegen die eigenen Verbündeten vorgehen, ihnen zumindest noch eine Chance zur Besserung geben. Aber schließlich setzte sich die Erkenntnis durch, dass sie – sollten sie wirklich feindlich gesinnt sein – jede Vorankündigung als Schwäche unsererseits auslegen und nutzen würden. Zwischen den zwei Extremen wählten wir schließlich die schmerzvollere – den Krieg.
Wir hatten große Vorteile auf unserer Seite, da die Schmiede und große Teile der Erzproduktion unter unserer Kontrolle standen. Dazu hatten wir noch viele Veteranen aus dem Drachenkampf unter Waffen, so dass die ersten Erfolge schnell erzielt waren. Nach vier Wochen kurzem Kampf waren die fremden Völker von Lyria vertrieben. Viele waren gefallen, auch einige auf unserer Seite, und noch Wochen später trieben die Geister der Toten auf Lyria ihr Unwesen.
Doch nun herrscht Ruhe auf Lyria, die Einheit, der Bund ist im Krieg gestärkt und gewachsen. Andras, Sonnenorks und Komponisten haben einen festen Bund geschaffen, dessen Kern sie schon von Anfang an waren. Mit Zuversicht blicken wir in die Zukunft und hoffen, dass die Zeiten der Krise zunächst einmal überstanden sind.